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Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.
...
Rilke

Bei manchen Leuten ist völlig egal, was sie schreiben, man erkennt sie an dem, wie sie schreiben:

"Nachdem meine Anmeldung hier nach nur einem Tag die Strafe des Forum-Verbotes nach sich zog, darf ich nun - DANKE - wieder lesen und auch aktiv teilnehmen )
Ich freue mich und hoffe auf interessante Gedanken und Gespräche!
Relativ neu in der Welt des realen S/Ms bin ich trotzdem schon stolze 37 Jahre alt, lebe in Berlin, bin nicht auf der Suche - jedenfalls nicht auf der Suche nach einem Herrn , liebe es, zu leben und zu lieben , bin neugierig, an vielem interessiert, tolerant (na, wer behauptet schon Anderes von sich) und leider mit einem besonderen Geschick zum "in Fettnäpfchen treten" gesegnet ... :(("

Fazit: Das I-Net ist auch nur ein Dorf, in dem es schwerer scheint, sich aus dem Wege zu gehen, als in derselben Stadt keinen Steinwurf weit von einander zu wohnen.

Nachts, wenn das Pendel der Liebe schwingt
zwischen Immer und Nie,
stößt dein Wort zu den Monden des Herzens
und dein gewitterhaft blaues
Aug reicht der Erde den Himmel.

Aus fernem, aus traumgeschwärztem
Hain weht uns an das Verhauchte,
und das Versäumte geht um, groß
wie die Schmerzen der Zukunft.

Was sich nun senkt und hebt,
gilt dem zuinnerst Vergrabnen,
blind wie der Blick, den wir tauschen,
küsst es die Zeit auf den Mund.


Paul Celan

...wie sehr ich dieses Gedicht noch immer liebe, das vergessen schient, von sich gestossen, verdrängt - und wie, trotz all der kreichenden Zeit und trennenden Strassen, es noch immer dasteht: in mir, lautlos lebendig widerhallt.

Spüre, ehe der Sturm heraufzieht, den Hauch heilsamer Schwere...hinweggehoben...gleiten über den Schatten der Blitze...nie wieder enden wollen im Sturzflug - und der Kranich zerbricht - auf festen Gründen stehen lernen, die Beine tragen nicht mehr fort - das Verlorene still mitdenkendfühlen ...Glauben ist nicht immer aus Vertrauen, ehernd eingefordert, zu vertrauen speit nicht Glauben aus...Einsichten, die schließlich doch erwachsen, als wären sie nicht schon vor dem Anfang über dieser Tür gewesen, die zum Sch(l)acht führt. Dem Zeichen, dahinter. Hier war es: nippt, scheu und unstillbar gierig, am Wein...der Kelch, gerippt: Blütenglieder aus geründeten Lippen, die zum Fenster sehnsuchtsvoll wehn...hinaus...von Handfläche zu Handfläche, Zauber zu Zauber, Begehren zu Begehren...hautinneres in der Nähe bleiben, irgendwie...Verlorenes aufbewahren durch Vergessen...auch Vergessen will gelernt sein...im Geteiltsein einig werden...das findet kein Ende...Unterschiedensein ist kein Gegensatz, Ausschließlichkeit begründet den Widerspruch nicht...im Vergehen, auch im Fortgehen: sein - zwischen dem Festhalten und Loslassen...Vergessen wächst langsam...Trennungen sind nicht immer als solche erkennbar...die wüste Spur der Glieder... Schweigen nicht immer Schuld, Rückzug nicht immer Flucht, Ausweichen nicht immer Feigheit, Liebe nicht immer das Gegenstück von Haß...wenn der Lichtschein mit seinen Schatten spielt, gerinnt, kegelförmig im dunkelsten Ort, kein Wachtraum zur Wirklichkeit...Schwüre durch Lügen tarnen...Lügen nicht durch Schweigen verbergen...Gründe nicht durch Rechtfertigungen begraben...weitergehen...Wege entstehen im Gehen...falsche Wege führen ins Nichts...wenden den Blick ab, aus dem kein Funke mehr schlägt...ahnen, was kömmt...und dennoch nicht vorbereitet sein, wenn es trifft mit labyrinthischer Wucht der Schlichtheit...Malocchio, streiche die bleichen Schatten fort...zu erbrochener Stunde im Largo der Flüsse...werde immer kürzer, bald nur noch gnade(n)lose Flüchtigkeit...ein Hauch...ein flirrender Ton...eine dünne Resonanz im Gebälk. Ein entfernter Punkt am Horizont. Rückgewandt, gleichnislos, auf sich verwiesen.

Extreme Diversität

Nicht selten
überbrücke
ich diverse Welten,
mit einem Fuß
auf beiden Seiten,
in der Lücke
zwischen Tür und Angel.
Ich bin
ein ziellos
über meine Pflicht
gespannter Bogen:
Gefühl-bloß
zu dir hin
und von dir weggezogen.
In dieser Lage
haltlos schwebend
wähn' ich mich
auf einer andern
Seite lebend,
und ich wage
einen Grat zu wandern
und mich zu verlieren.
Doch wie verloren ich
auch bin - ich finde
in dir mein Geschick!
Und ich vertiefe mich
in deinen Blick,
zerstreue mich
in alle Winde

Young-Jin Choi

Ich kenne den Grund, sagt sie. Ich kenne ihn durch meine große Pfahlwurzel.
Du fürchtest ihn.
Ich fürchte ihn nicht: weil ich dort war.

Hörst du das Meer in mir,
ruhelos?
Oder die Stimme aus Nichts, die dein Wahnsinn war?

Liebe, ein Schatten.
Wie du liegst und ihr nachweinst.
Hör nur: das sind die Hufe: sie ist fort, ein Pferd.

Ich werd die ganze Nacht so galoppieren, schneller, schneller,
bis dein Kopf ein Stein ist, dein Kissen ein Stück Torf,
tönend, tönend.

Oder soll ich dir den Klang der Gifte bieten?
Das jetzt ist Regen, die weite Ruhe.
Und das seine Frucht: zinnweiß wie Arsen.

Ich habe jede Qual des Sonnenuntergangs ertragen.
Verdorrt bis zur Wurzel
brennen meine roten Fasern; sie stehn: eine Handvoll Draht.

Ich breche in Stücke, die mich umfliegen wie Keulen.
Ein Wind von solcher Wucht
wird kein Herumstehn dulden: ich muss kreischen.

Auch Luna ist gnadenlos: die Unfruchtbare
will mich grausam schleifen.
Ihr Strahlen vernarbt mich. Vielleicht hab ich sie ergriffen.

Ich lass sie gehn. Ich lass sie gehn,
vermindert, flach, nach radikaler Chirurgie.
Wie deine bösen Träume mich beherrschen, kleiden.

Ich bin bewohnt von einem Schrei.
Nachts flattert er aus
und sucht mit Haken nach etwas zum Lieben.

Mich schreckt dieses dunkle Ding,
das in mir schläft;
tagsüber fühl ich sein weiches, gefiedertes Drehen, die Bösartigkeit.

Wolken ziehen, zerstieben.
Sind das die Gesichter der Liebe, so bleiche
Unwiederbringlichkeiten? Schlägt dafür mein Herz?

Ich fasse nicht mehr.
Was ist das, was für ein Antlitz,
so tödlich erstickend zwischen den Zweigen?

Dessen Schlangensäuren zischen
und den Willen lähmen. Es ist der abgetrennte, lahme Mangel,
der tötet, tötet, tötet.

Sylvia Plath

 

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