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Die Figur bezieht sich auf die glückliche Zeit unmittelbar nach der ersten Verzückung, bevor sich noch die Komplikationen der Liebesbeziehung bemerkbar machen.

Obwohl der Diskurs der Liebe lediglich ein Schwarm von Figuren ist, die sich in unvorhersehbarer Reihenfolge, nach Art der Zickzackflüge einer Flüge im Zimmer jagen, kann ich der Liebe doch, wenigstens retrospektiv, imaginär, ein geregeltes Werden und Entstehen bezeugen: durch eben diese historische Phantasie mache ich durchaus manchmal ein Abenteuer. Der Liebeswettstreit scheint also in drei Etappen (drei Akten einer Tragödie) vor sich zu gehen: zu Anfang, urplötzlich, die Inbesitznahme (ich bin von einem Bild hingerissen); darauf eine Folge von Begegnungen (Rendezvous, Telephonanrufe, Briefe, kleine Reisen), in deren Verlauf ich geradezu trunken die Vollkommenheit des geliebten Wesens „erforsche“, das heißt, die unerwartete, deckungsgleiche Annäherung eines Objektes und meines Verlangens: das ist die Süße des Anfangs, die eigentliche Zeit der Idylle. Dieser glücklichen Zeit erwächst ihre Identität (ihre Abgeschlossenheit) daraus, daß sie sich (wenigstens in der Erinnerung) gegen die Fortsetzung sträubt. - Die Fortsetzung ist die lange Schleifspur der Leiden, Verletzungen, Ängste, Nöte, Ressentiments, Verzweiflungen, Peinlichkeiten und Fallen, deren Beute ich werde, wenn ich fortan unablässig unter der Drohung eines Verlustes lebe, der gleichzeitig mich, den Anderen und die zauberhafte Begegnung beträfe, die uns einander zuvor zu erkennen gegeben hat.

Es gibt Liebende, die sich nicht umbringen, es ist möglich, aus diesem Tunnel, der der Liebesbegegnung folgt, herauszufinden, ich sehe wieder Tageslicht, sei es, daß es mir gelingt, der unglücklichen Liebe einen dialektischen Ausweg (Liebe selbst ist nicht dialektisch) zu schaffen (an der Liebe festhalten, sich von der Hypnose befreien), sei es, daß ich unter Verzicht auf diese Liebe erneut ins Rennen gehe und mit anderen die Begegnung zu wiederholen versuche, deren Blendwerk ich mir bewahre: denn sie fällt in die Kategorie der „ersten Lust“, und ich ruhe nicht, bis sie wiederkehrt, ich bejahe die Bejahung, ich beginne erneut, ohne zu wiederholen.

Die Begegnung strahlt aus; in der Erinnerung wird das Subjekt die drei Phasen des Liebeswettstreits später zu einer zusammenziehen; es wird von einem „blendenden Tunnel der Liebe“ sprechen.

In der Begegnung erstaune ich darüber, jemanden gefunden zu haben, der, in sukzessiven und stets erfolgreichen, nie versagenden Anläufen, dem Bild meiner Phantasie gerecht wird (NLP als Codierung der Phantasie hakt sich ein); ich gleiche dem Spieler, dem das Glück treu bleibt, jenes Glück, das ihn die Hand auf eben das kleine Teilstück legen läßt, das das Puzzle seiner Begierde auf Anhieb vervollständigt. Es ist eine allmähliche Entdeckung (und gleichsam eine Überprüfung) der allmählichen Neigungen, Einverständnisse, Vertraulichkeiten und symbolischen Bekenntnissen, die ich (meiner Meinung nach) auf "ewig" mit einem anderen teilen werde, der im Begriff steht, künftig „mein Anderer“ zu werden; ich bin sehr gespannt auf diese Entdeckung (ich fiebere ihr entgegen), in dem Maße, daß jede intensive Neugier für ein Wesen, dem man begegnet, summarisch als Liebe gilt. Die Begegnung läßt über das liebende (bereits hingerissene) Subjekt den Taumel eines übernatürlichen Zufalls hinwegstreichen: die Liebe gehört in die (dionysische) Kategorie des Würfelwurfes.

N.N.

"Wie war der Himmel blau,
die Hoffnung weit.
Die Hoffnung floh enttäuscht
in Dunkelheit."

Paul Verlaine

Das Lachen über andere ist, im Moment der (notwendigen) Verkennung, rückwärts gerolltes Ausatmen auf Kosten von Dritten. Wenn sie höflich sind, werden sie lachend erwidern, was den Bruch als Grenze markiert. Wir sind unser manchmal versichert in einer Weise, die uns vor uns selbst beschützt. Der Spieler, der das Jeton blind setzt, und spürt, daß, wie seine Hand, der Blick seiner Augen der Kugel Spin und Zwang für die 17 gibt. Warum 17? 23 ist das Zeichen der Illuminaten. Manchmal - vielleicht durch übergröße Anstrenung in der Konzentration oder durch die Heftigkeit eines Schmerzes erleuchtet die innere Landschaft, und man weiß: man sieht - alles, was geschehen wird. Jede einzeln Wendung, bis in die letzte Ecke eines dunklen Verlieses scheint vorgezeichnet. Das sind die Momente, in denen der Blick über die Augen seinen Triumph feiert. Wie ein Ritual ohne Bacchana, sanfte Gewißheit ohne Revolution des Entsinnens. Es ist, als würde man einen Fußabdruck im Sand sehen, ehe die Füsse den Sand berühren, und das Knirrschen von Geroll, ehe der feine Ton an die Ohren drang. Nachwandlerische Sicherheit - nicht zu gehen: zu sehen mit den eignen, fremden Augen im Innern der Landschaft, wenn das Bild der Wirklichkeit wie eine Nebelbank hinter einem liegt.

Ein farbloser langweiliger Tag. (Sie setzt keine Satzzeichen.) Ein Tag wie jeder ... Ein farbloser langweiliger Tag Der stechende Schmerz deiner Abwesenheit und dennoch bin ich wie bewegungslos gehe ich keinen einzigen Schritt auf dich zu (Satzzeichen gibt es bei ihr überhaupt keine. Keine Grenzen, die Metalle vermengen sich, die Verschmelzung, das Vermischen, kein Komma, kein Punkt.) Ein Tag wie jeder ohne dich Ein farbloser langweiliger Tag Der stechende Schmerz deiner Abwesenheit und dennoch bin ich wie bewegungslos gehe keinen einzigen Schritt auf dich zu Ich horche und weiß daß du in mir bist ich spüre dich wie du dich bewegst in meinem Bauch mein Bauch spricht mir von allen am besten von dir ich lasse mich davontragen ich will das Wagnis der Liebe dieser einen Liebe mit dir dieser manchmal so besonderen und innigen Liebe und der furchtbaren Schärfe die sie begleitet Ich bin stolz auf dich, stolz auf mich mit dir auf die Liebe die du mir zuträgst aber bin ich es den diese Liebe meint Die Worte deine Worte meinen sie mich Wenn ich mich doch nur einmal einer wahrhaften Liebe entsprungen fühlte Dieser Mangel an Liebe läßt all meine eigenen Versuche ertauben Verfehlte Liebe verfehltes Schicksal vielleicht ist es das und ausschließlich das mein Schicksal Möglich daß ich das niemals überwinden werde Möglich daß ich für immer von Arm zu Arm ziehen werde auf der Suche nach einer Geste einem Gesichtsausdruck der mir wirklich von Liebe spricht der mich meint mit etwas Einzigartigem nur mich Einziger Adressat eines Wortes das sich in einer Liebe verloren hat die nicht aus einem Leben entstanden ist das sich zerstört Ja ich habe Lust zugehörig zu sein und Lust zu lieben dich zu lieben geliebt zu werden von dir Aber ich bin um alles gebracht Ich denke an die Liebe und es stürzt von allen Seiten auf mich ein Ich habe Angst daß es mir nie gelingt... je mehr Angst ich habe desto mehr gehe ich auf Distanz zu dir desto eher meide ich dein Gesicht deine Arme du verstehst kannst es aber nicht ertragen und ich ich kann auch nicht mehr

Christine Angot

Über das Parabelhafte der Erfahrung hinaus bleibt ein Rest, der beinahe mehr zu wiegen beginnt als die schlichte Schilderung: Die Atemlosigkeit, mit der sie schreibt und die Wörter, das Zeichen, auseinandertreibt, ist wie Gras unter den Füßen.

Dein Schritt hat die Schwelle gehoben,
unter der aug'nes Licht hervorquoll.
Du hast die Tür (zum Nichts) offen gelassen
und den Schüssel verloren.
Du grinst lieblich,
man hielt's für nachtes Lachen.
Schallend. Klaffend.
Des Bildnis Blut schwappt über,
in den geheimen Raum,
in dem ich mich sicher wähnte -
vor Deinen Lügen.

Fast blind vom Schnee, der uns in die Wärme
trieb,inmitten einer rauhen Nacht,
tanzten unsere Blick, wund und weiß.
Und alles tut noch immer endlos weh,
wenn ich dein Gesicht in meinem vor mir seh,
Wie frisch gefallener Schnee leuchtet weiß,
was ich nicht durch Zeit vergessen kann.
Seh dein Lächeln und dein stolzen Blick
auf mir ruhn, als suchten sie ihr Kleid.
Und der Schnee fiel weiß durch dein Haar,
dem Glanz von Mondlicht Schatten nah.

Die schönste Melodie ist - die noch nicht geschriebne,
Meine Hände schrieben dir meine auf dein Gesicht,
mein Mund dir auf die Stirn sanft und
mein glückgetrankter Blick auf deine Haut.
Weiß fiel der Schnee, und es ward leise,
was ich nicht vergessen kann.
Vom Schnee ganz weiß strich ich dir durch Haar,
küßte deine Hände und verging in Himmel deines Blicks.
Vom Schnee ganz weiß ist meine Seele schwer,
sie schmerzt und blutet in dunkler Reise,
das Gestern währt das Morgen nicht.

Das Crescendo der ewigen Kuft. Spuren ziehen, sie verwischen, im Zurückweichen vor dem Dunklen, das sich nicht mehr vor Licht beugt. Von Nähe zu Nähe. In verständige Distanz gehen - zuerst vor sich selbst, um dem Andern entgegenzugehen. Hand um Hand. Leer. Den Bogen silberner Saite eines geschundenen Instruments spannen, bis ein ungeheimliches Geräusch Steine schleift. Sich das Wagnis, einzudringen in die äußeren Schichten des Ertragbaren, zumuten. Aus diesen Regionen gibt es keine Rückkehr ohne Verlust. Verluste, die wir in anderen, helleren Stunden, Einsichten nennen werden. Mehr können wir nicht. Breite die Flügel. setze zum Flug an, unterbreche ihn. Steige auf. Im Gleitflug sich nähern. Das Licht dort hinten gehört uns nicht. Spuren verwischen. Spuren ziehen. Die Leere, die Verluste nicht hinnehmen. Das Zerstörte ersetzen. Die Entwürfe verwerfen, die ersten und auch den zweiten und dritten. Beginnen, was nie endet. Leben ist nicht von Leben verschieden. Auch im falschen das Richtige erkennen. Verletztes Leben steht als Schicksal gegenüber als Muster, Abschreckung, Entwurf - als Sehnsucht des Vergessens. Den zweiten Tod durchqueren. Denkbar, möglich. Erhebe Dich, Flügeloses!

ich sehe frauen, die sich nach zehn uhr in wein ertrinken, um ihr gleichgewicht wiederzuerlangen, die sich wildfremden hingeben aus liebe zu ihrem mann, die ihren körper quälen und sich in ihre haut schneiden, um schmerz mit schmerz zu tilgen - immer wieder, und (er)glauben, daß Lebendigkeit in ihnen wiederkeimt; sehe frauen, die nach freßanfällen sich ergehen, die nie verwinden werden, daß sie ihre mutter nicht geliebt, sehe frauen mit roten schuhen fortwährend tanzen, wo ein tango ist das ganze lied, sehe frauen, die sich selbst opfern, weil andere keine opfer bringen können...

sehe frauen, die...

Ich habe wieder Sehnsucht nach der inneren Abgeschiedenheit meiner Seele: das, was mir einst Abgeklärtheit war. Wie ein Geist wandelt mein Schatten, überlebt fernere Tage, und währt' ich tausend Jahr, nichts wäre es als nur ein Leben nach dem Tode...Mit den Muscheln vergrab mein Entsinnen in den Sand.

Weil ich nichts zurücknehmen kann,
ziehe ich mich zurück,
undenkbar, aber möglich.
Durchaus. Läßt.
Dem Wurm entgegengeschleudert:
Ich lasse dich los, so fest du mich hältst.

 

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